Einfach nur soCorona Warn App

Recover, Placelogg, Luca, Andere oder doch die Corona-Warn-App?

Der Plan: Digitale Erfassung von Besuchenden / GästInnen per Online-Check. Zum Teil gekoppelt mit Covid-19 Testnachweis. Damit sollen die Gesundheitsämter befähigt werden, Kontaktketten besser nachzuverfolgen.

„Befähigt“ ist das Stichwort. Nur, weil es diverse Apps zur Nachverfolgung gibt, sind die Ämter noch lange nicht in der Lage, die Datenflut entsprechend zu verarbeiten. Einige haben bereits Schnittstellen, aber eben nicht einheitlich, sie wurden bisher nur für die jeweilig im Bereich genutzte App angepasst. Falls das entsprechende Amt bereits digitalisiert ist.

Einheitliche(?), bundesweite oder etwa europaweite Lösungen sind fern, EINE bundeseinheitliche Lösung sowieso.

Wer ist verantwortlich?

Nein, nicht die Regierung oder Regierungsstellen. WIR sind SELBST verantwortlich!

Warum?

Typisch: „Ich gebe meine Daten nicht her!“ – fleißig gepostet per WhatsApp, TikTok (meine Rechtschreibprüfung schlägt hier „Tierkot“ vor, hab’s gerade noch bemerkt), Facebook und anderen „sozialen“ Kanälen oder auch gerne per Google-Mail verbreitet. Noch ein Paradoxon mehr.

Zwischendurch noch schnell bei Google-Maps geschaut, wie ich am besten zur Freundin komme und dann los – mit Hilfe der Routing-Funktion im Mobiltelefon.

Corona-Warn-App? Wird als “Datenkrake” verschrien und verpönt – kommt ja von der Regierung. Und entwickelt auch noch von zwei behäbigen Riesen wie SAP (System, Anwendungen und Produkte, 1972 von 5 EhemaligInnen 😉 von IBM gegründet) und T-Systems – unserer guten, alten Telekom.

Die Telekom, die seit Jahren nicht in der Lage ist, dem uralten Versprechen der Bundesregierung, DSL /Internet mit mindestens 50 Mbit/S bundesweit zur Verfügung zu stellen, Substanz zu verleihen. Stattdessen dümpelt Deutschland im internationalen Vergleich der Downloadgeschwindigkeit immer noch auf Platz 25 herum (2020 – „Deutschlands Internetgeschwindigkeit – das Schlusslicht der Industrienationen“). Wir, die einst so stolz auf „Made in Germany“ sein konnten.

Ja, so bleibt das Internet noch lange Zeit für viele „Neuland“…

Hätten wir der Warn-App mehr Objektivität entgegen gebracht, wären sicher längst mehr und sinnvolle Funktionen integriert worden.

Die Patzer – auch aus Sorge vor Boykott wegen „Datenschutzbedenken“ – bei der Einführung der Corona-Warn-App haben die Erfahrungen der Vergangenheit bestätigt: Definitiv zu teuer (weil u. a. auch noch Call-Center für die „Verifikations-Hotline“ und die „technische Hotline“ mitfinanziert werden müssen) und überwiegend nutzlos. Bisher haben 279.643 Nutzende die App für eine Positiv-Warnung genutzt (Quelle: Corona-Warn-App). Bei 2.545.781 positiv getesteten Menschen (Stand: 12.03.2021).

60 Millionen Euro (17.06.2020: 20 Millionen) für etwa 26 Millionen meist passiver Nutzende, die in der Masse auch positive Testergebnisse nicht mit dieser App übermitteln.

„An monatlichen Kosten fallen bei T-Systems zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Euro an.“

 

„Die Kosten für die initiale Entwicklung durch Europas größten Softwarekonzern SAP fielen dabei fast vier Millionen Euro niedriger aus als ursprünglich kalkuliert.“ Quelle: DPA.

Und: Um ein Testergebnis eines Labors zu erhalten, wird auch eine weitere(!) App benötigt: Zum Beispiel „Mein Laborergebnis“ vom Laborverband Synlab. Aus eigener Erfahrung ebenso „benutzerfreundlich“ wie die Corona-Warn-App. Man erhält Belege und QR-Codes für die „Corona-Warn“-App (um seine anonymen Kontakte zu warnen) UND für die „Mein Laborergebnis“-App, um ein Testergebnis abzurufen. Aber es gibt eine PDF-Datei zum Ausdrucken.

Viele Labors nutzen weitere, alternative Lösungen oder simple Websites.

„Wir brauchten eine schnelle und unkomplizierte Lösung, als letztes Jahr die Nachfrage nach Corona-Tests stark anstieg“.

„Übermittlung der Ergebnisse per Corona-Warn-App zu teuer“.

„Kosten im »fünfstelligen Bereich« für die erstmalige Anbindung an die Corona-Warn-„

„Zwar wäre danach die Nutzung der App kostenlos. Doch wer einmal anders arbeitet, der scheint die Warn-App auch nicht groß zu vermissen.“

Wir war das noch im Juni 2020?

…Ergänzt wird dies um die Konzeption einer automatischen Laboranbindung und die Einbindung von Laboren, umfangreiche Testmaßnahmen, Konzeption und Aufbau einer technischen Hotline sowie einer Verifikationshotline, Aufbau und Bereitstellung angemessener IT-Sicherheitsmaßnahmen sowie den Aufbau und die Bereitstellung angemessener Netzwerkkapazitäten durch T-Systems. Weiterhin fanden durch T-Systems erste Vorarbeiten für die Schaffung einer europäischer Interoperabilität der Tracing-App-Ansätze statt. ….
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Also Testergebnis per Warn-App, per Website, per externer App, per Mail, per Post. Fehlen noch Brieftauben…

Ein Lösungs-Flickenteppich.

Das alles schafft und zeigt kein Vertrauen, obwohl die Corona-Warn-App es im Ergebnis durchaus verdient hätte bzw. verdienen könnte.

Die Zukunft? Deutschlandweit viele Apps mit vielen Daten, um ein Ergebnis zu erzielen.

Wie ging nochmal der Spruch mit den vielen Köchen?


Edit 23.03.2021:

W. Kubicki in „Anne Will“ am 22.03. zur Corona-Warn-App und fehlender Funktionen:

„Da war nicht der Datenschutz im Weg, sondern die mangelnde Intelligenz.“

Auf beiden Seiten. Dem ist sonst nichts hinzuzufügen.


Quellen:
https://www.websitetooltester.com/research/internet-geschwindigkeit/

https://www.wuv.de/tech/so_teuer_war_die_corona_warn_app_wirklich

https://www.spiegel.de/netzwelt/apps/corona-warn-app-warum-manche-labors-die-app-nicht-nutzen-und-start-ups-profitieren-a-e824204e-b1a6-4c86-a1cc-fd7b413cfa79

https://www.it-daily.net/analysen/16102-internet-geschwindigkeit-weltweit-deutschland-auf-platz-25

https://fragdenstaat.de/anfrage/kosten-fur-coronawarnapp/

Corona-Warn-App

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